Programm Freitag, 13. Juli 2012

Dauer:     13. Juli 2012, 19:00 Uhr
Ort: Mehrzweckhalle
Krakauhintermühlen 27
8854  Krakauhintermühlen
Tel: +43 676 848 119 119
E-Mail

Freier Eintritt

Freitag, 13.07.2012

Forum für erweiterte Klima-, Energie- und Wetterfragen © Foto: Ernst Spreitzer sen.
Öffnet Originalbild in großer Ansicht: Forum für erweiterte Klima-, Energie- und Wetterfragen
Forum für erweiterte Klima-, Energie- und Wetterfragen
© Foto: Ernst Spreitzer sen.


Im Kontext Kunst und Wissenschaft diskutiert das interdisziplinär angelegte SYMPOSIUM Phänomene des Wandels und der Beeinflussbarkeit von Klima und Wetter. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Fragestellungen zur Rolle von künstlerischer Arbeit im Geflecht von Politik, Wissenschaft und Gesellschaft. Wie können durch gegenseitiges Einwirken, Austausch und Kollaboration zukunftsfähige
Lebensmodelle und Weltbilder entwickelt werden? Der alte Menschheitstraum über die Beeinflussung der Natur wird im Spannungsfeld von Wirklichkeit und Fiktion, zwischen Experimenten und Konzepten für die Wirklichkeit betrachtet.

19:00 Uhr - BEGINN SYMPOSIUM
Mehrzweckhalle, Krakauhintermühlen 27, 8854 Krakauhintermühlen

Univ.-Prof. Dr. Joachim Radkau (Bielefeld):
Die Hockeyschlägerkurve als Totschlagargument? Klimapolitik zwischen Gerechtigkeit und Größenwahn.
Prof. für Neuere Geschichte, Universität Bielefeld; Publikationen zum Thema (Auswahl): Holz - Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt (Neuausgabe 2007), Die Ära der Ökologie - Eine Weltgeschichte (2011)

anschließend:

COOKING CATASTROPHES
von Eva Meyer-Keller (Berlin) und Sybille Müller (Berlin)

Kochshow, Performance und Zukunftsreflexion: Profiköche bereiten vor den Augen der ZuschauerInnen ein mehrgängiges Menü zu, aus Waldbränden, reißenden Flüssen, Meteoriteneinschlägen und Bohrinselexplosionen. Die Katastrophengerichte können vom Publikum verkostet werden, die Gegensätze von Genuss und Schrecken liegen äußerst nah nebeneinander.

Köche: Kane Do, Jim Löfdahl, Kristoffer Nilsson, Andreas Lindberg, Mariana Silva Varela, Filip Zubaczek, Peter Whaley
Kamera: Marika Heidebäck

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SAMSTAG, 14.07.2012

Symposium
bei Schönwetter im Freien vor dem Festivalzentrum Krakautal bei Schlechtwetter im Festivalzentrum
Krakauebene 29, 8854 Krakauhintermühlen (gegenüber Gasthaus Ebnerwirt)

10:00 - 13:00
Auftakt mit dem „Wetterläuten"

Klaus S. Lackner, PhD (New York):
Den Planeten so hinterlassen wie man ihn vorgefunden hat?
Professor für Geophysik, Leiter der Abteilung für Erd- und Umwelt-Ingenieurwesen, Direktor des Lenfest Center for Sustainable Energy am Earth Institute, Columbia University, New York

Ralo Mayer (Wien):
Warum sehen wir das Bild der Erde so oft (dass wir es gar nicht mehr sehen)?
Künstler, arbeitet an der Schnittstelle künstlerischer und wissenschaftlicher Forschung

Univ.-Prof. Dr. phil. Lukas Meyer (Graz):
Klimawandel, Gerechtigkeit und individuelle Verantwortung
Univ.-Prof. für Philosophie, Karl-Franzens-Universität Graz, Leiter des Zentrums für Kulturwissenschaften

Raimar Stange (Berlin):
Klima, Kunst + Katastrophe
Literaturwissenschaftler, Philosoph, Kunstpublizist, Kurator

Vera Tollmann (Berlin):
Ich möchte ein Eisbär sein. 
Kulturwissenschaftlerin, Kuratorin, Kulturkritikerin

Moderation: Klaus Schafler (Wien), Künstler, Kurator der Ausstellung Kühllabor

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Symposien-Inhalte

Klaus S. Lackner: Den Planeten so hinterlassen wie man ihn vorgefunden hat?
Beim Reisen im Flugzeug oder Auto verbrennt man Treibstoff. Die Verbrennung produziert Kohlendioxyd, ein farbloses, geruchloses Gas, das Pflanzenwachstum unterstützt und das allgemein als harmlos eingestuft wird. Trotzdem geht es nicht spurlos am Planeten vorbei. Den Preis, den wir für den leichten Zugang zur Elektrizität und für bequeme Reisemöglichkeiten zahlen, ist die Erwärmung, begleitet von veränderten Niederschlägen und potenziell schädlichen Änderungen im globalen Ökosystem. Es muss nicht so kommen. Genauso wie man nach einem Picknick in den Bergen seinen Müll einsammeln soll, muss man nach einem Flug über den Atlantik das ausgestoßene Kohlendioxid wieder einsammeln. Mit dem Kohlendioxid ist das sogar ganz einfach: Man muss nicht dasselbe Kohlendioxydemolekül einsammeln, das man ausgestoßen hat. Jedes Kohlendioxydmolekül irgendwo in der Luft ist gleich gut. Worauf es ankommt, ist den Kohlendioxydgehalt der Luft konstant zu halten. Diese Einsicht hat uns dazu gebracht, eine Maschine zu bauen, die genauso wie ein Baum Kohlendioxyd aus der Luft nehmen kann.

Ralo Mayer: Warum sehen wir das Bild der Erde so oft (dass wir es gar nicht mehr sehen)?, 2012
Installation
„Why haven't we seen a photograph of the whole Earth yet?" fragte Stewart Brand 1966 in seiner Kampagne zur Veröffentlichung der angeblich bereits existierenden NASA-Fotos aus dem Weltall. 1968 schoss ein Apollo-Astronaut dann tatsächlich ein Foto, und Brand veröffentlichte seinen „Whole Earth Catalog", ein unbändiges Kompendium, das die hervorsprießenden Kommunen mit allen möglichen Tipps, Tricks und Technologien versorgte. Heute ist das Bild der Erde das wahrscheinlich meistpublizierte Bild überhaupt. Was wir heute im Alltag meist übersehen, löste in den 1960er Jahren eine bildpolitische Revolution aus, die den militärisch-industriellen Komplex des Kalten Kriegs plötzlich mit der Alternativ-Bewegung kurzschloss und der aufkommenden Umweltbewegung ihre Ikone lieferte. Die Video-Installation verfolgt die Geschichte dieses Bilds und seiner Links zu scheinbar weit entfernten Gebieten des Weltgeschehens der letzten Jahrzehnten.

Lukas Meyer: Klimawandel, Gerechtigkeit und individuelle Verantwortung
Eine gerechte, effektive und globale Lösung des Problems des Klimawandels lässt sich als anzustrebendes Ziel begründen, insbesondere weil der ungebremste Klimawandel mit hohen Risiken der Verletzung grundlegender Rechte sehr vieler, insbesondere zukünftig lebender Menschen einhergeht. Was aber bedeutet dies für heute lebende Mitglieder von hochindustrialisierten Ländern? Sollen sie - und wie sollen sie - ihr Verhalten ändern? Im Vortrag diskutiere ich verschiedene Antworten auf diese Frage, die sich alternativen Konzeptionen von Moral verdanken.

Joachim Radkau: Die Hockeyschlägerkurve als Totschlagargument?
Klimapolitik zwischen Gerechtigkeit und Größenwahn
Die Umweltbewegung ist die neue Aufklärung unserer Zeit. Aber auch diese grüne Aufklärung enthält jene „Dialektik der Aufklärung", die einst Adorno und Horkheimer bei der klassischen Aufklärung des 18. Jahrhunderts enthüllten: Je mehr Macht sie erlangt, desto mehr unterliegt sie den Versuchungen der Macht und wird zur Herrschaftslehre mit eigener Dogmatik. Der Klima-Alarm hat die Umweltpolitik in einem Maße wie noch nie weltweit auf ein einziges Ziel ausgerichtet und mit einem Drang nach „global governance" erfüllt. Aber gerade dieser Triumph könnte für die Umweltbewegung zur Zerreißprobe werden. Heute wird oft schon „Umweltschutz" durch „Klimaschutz" ersetzt; aber taugt der Eisbär auf der Scholle als Ikone für den gesamten Umweltschutz? Ist das von der Hockeyschläger-Klimakurve suggerierte Katastrophenbewusstsein geeignet, eine vernünftige Umweltpolitik zu begründen?

Raimar Stange: Klima, Kunst + Katastrophe
Raimar Stanges Vortrag „Klima, Kunst + Katastrophe" bedenkt Optionen der Kunst angesichts des Klimawandels. Dokumentation und Aufklärung, alternative Pragmatik und selbstbewusster Rückzug, Anklage und Sensibilisierung etwa sind Narrative, die Ästhetik angesichts des stetig Unbewohnbarwerdens der Erde entwickeln kann. Vor allem aber ist engagierte Haltung gerade von Künstlern, also von den „Artisten als Statthalter" (Theodor W. Adorno), gefragt.

Vera Tollmann:
Ich will ein Eisbär sein
Folgende Ereignisse kontextualisieren meinen Beitrag: 2009 scheiterte die Klimakonferenz in Kopenhagen. Zu diesem Zeitpunkt war die internationale Klimaschutz-Bewegung auf der Höhe ihrer Aktivitäten. Dann demonstrierten anthropogene Katastrophen wie die Explosion der „Deepwater Horizon" und die Kernschmelze in Fukushima die Macht der Konzerne. Andererseits hatten auch die Proteste in der arabischen Welt und „Occupy" Einfluss auf das Selbstverständnis der Klima-Aktivisten. In Reaktion auf die mediale Repräsentation des Klimawandels haben Aktivisten neue Protestformen und eine neue medienbewusste Bildsprache entwickelt, die zum Teil auf künstlerische Strategien zurückgreift. Wie in der Werbung werden die Signifikanten sorgfältig ausgewählt. Anhand von Beispielen werde ich die rhetorischen und selbstreferenziellen Aspekte in der aktivistischen Bildproduktion zeigen.

Biografien Symposiums-TeilnehmerInnen

Klaus S. Lackner, PhD, ist Ewing-Worzel Professor für Geophysik und Leiter der Abteilung für Erd- und Umwelt-Ingenieurwesen an der Columbia University, New York, wo er auch Direktor des Lenfest Center for Sustainable Energy am Earth Institute ist. Lackner promovierte 1978 an der Universität Heidelberg summa cum laude in theoretischer Teilchenphysik, wurde mit dem Clemm-Haas Preis für hervorragende Dissertationen ausgezeichnet und als Fleischmann Fellow an das California Institute of Technology berufen. Er arbeitete als Hauptautor am Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) Report on Carbon Capture and Storage und erhielt 1991 den Weapons Recognition of Excellence Award. 2001 ging Lackner an die Columbia University; zu seinen aktuellen Forschungsinteressen zählen CO2-Abscheidung und -Sequestrierung, Air Capture, Energiesysteme und -skalierung, Umwelt- und Energiepolitik, Ökobilanzen und Modelle für den emissionsfreien Betrieb von Kohlekraftwerken und Zementwerken.
Externe Verknüpfung www.earth.columbia.edu

Ralo Mayer, *1976 in Eisenstadt, lebt in Wien. Studierte an der Akademie der Bildenden Künste bei Renée Green und Marina Grzinic und ist in den letzten Jahren mit seinen so genannten „performativen Untersuchungen" aufgefallen, die Kunst und wissenschaftliche Forschung zusammenführen.
Mayer ist Mitbegründer der Manoa Free University und Herausgeber des Science Fiction Magazins „multiplex fiction". Er kann auf institutionelle Einzelausstellungen in der Secession Wien (2008), bei ARGOS in Brüssel (2010), im Kunstmuseum Lentos (2011) oder Kunsthaus Baselland (2012) verweisen. Letztere knüpfte an die Verleihung des Preises der Triennale Linz im Jahr 2010 an.

Lukas Meyer, *22nd of August 1964, married to Dr. phil. Barbara Reiter since 1994, two children: Charlotte (25th of July 1999) and Josefine Meyer (11th of February 2002)
I studied Philosophy, Political Science, History and Public International Law at the University of Tübingen, Free University Berlin, Washington University in St. Louis, Yale Law School and the University of Oxford.
Area of research: "Justice and Responsibility in Space and Time"

Eva Meyer-Keller, lebt zur Zeit in Berlin. Zunächst studierte sie Photografie und Bildende Kunst in Berlin und London, später Tanz und Choreografie in Amsterdam. Als Performance Künstlerin tritt sie im Kontext von Kunstgalerien und Theatern in ganz Europa und New York auf. Neben ihrer eigenen Arbeiten war sie an Projekten von Baktruppen, Jérôme Bel und Christine De Smedt/les Ballets C de la B beteiligt.

Sybille Müller, studierte Tanz an der Rotterdam Dance Academy und beendet derzeit ihr Studium in Strategischer Kommunikation und Planung an der Universität der Künste in Berlin. Ihre Arbeitsbereiche umfassen verschiedene Aspekte aus Tanz, Choreographie, Performance und publizistische Ansätze bis hin zu Psychologie. Neben der Arbeit an eigenen Projekten kollaboriert sie auch mit anderen Künstlern, so u.a. mit Isabelle Schad oder deufert&plischke. Mit Eva-Meyer-Keller realisierte sie bereits das Projekt ›Building After Catastrophes‹.

Raimar Stange, *1960, Studium der Literaturwissenschaften und Philosophie, lebt und arbeitet als "freier" Kunstpublizist und Kurator in (Ost)Berlin. Veröffentlicht regelmäßig in Kunst-Bulletin, Zürich; ArtReview, London; Spike, Wien; Cura, Rom; Artist, Bremen. Zahlreiche Ausstellungen zum Thema Kunst + Klimakatastrophe

Vera Tollmann hat Angewandte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis in Hildesheim und Liverpool studiert. Sie arbeitet als freie Kulturkritikerin und Kuratorin in Berlin. Zur medialen Inszenierung des Klimawandels und der Rhetorik der Nachhaltigkeit ko-kuratierte sie u.a. die Ausstellungen "Nachvollziehungsangebote" (Wien, 2007) und "Katastrophenalarm" (Berlin, 2008). Bei der Konferenz "Climate Pictures" (Potsdam, 2012) hat sie einen Vortrag gehalten über aktivistische Bildstrategien. Im Sommersemester 2012 unterrichtet sie Online-Journalismus an einer privaten Hochschule in Berlin und ab April wird sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Moving Image Lab der Universität Lüneburg arbeiten. Vera schreibt regelmäßig für die Kunstmagazine Springerin und Kunstforum sowie die Wochenzeitung der Freitag. Ihre aktuelle Veröffentlichung "China. Der deutschen Presse Märchenland 2" (Eigenverlag, 2011) ist eine Text-Montage zur Festnahme und Freilassung des Künstlers Ai Weiwei sowie zur westlichen Rezeption Chinas.
Externe Verknüpfung www.veratollmann.net

Joachim Radkau, geb. 1943, habilitierte sich mit einer Studie über Aufstieg und Krise der deutschen Atomwirtschaft. 1981 wurde er Professor für Neuere Geschichte an der Universität Bielefeld. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde Radkau bekannt, als er im Jahr 2000 eine Weltgeschichte der Umwelt (Natur und Macht) veröffentlichte. 2005 folgte eine viel beachtete Biographie über Max Weber, dann „Die Ära der Ökologie. Eine Weltgeschichte", Verlag: C.H. Beck, 2011

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