ALLGEMEIN

Als Festival für Gegenwartskunst abseits der Ballungszentren, untersucht die REGIONALE12 inwieweit der ländliche Raum im Zeitalter der Verstädterung und zugleich rückläufigen Entwicklung von Städten, ein Modell für neue Diskurse gesellschaftlicher Entwicklungen sein kann. Murau definiert sich als Holzregion, die von und durch ihre Rohstoffe lebt. Der Umgang mit Naturressourcen als kulturelle, wirtschaftliche und soziale Grundlage, alternative Energieversorgung, aber auch globale Klimadiskurse sind Leitthemen für die Erarbeitung des Programms.

VON ROHSTOFFEN UND PRODUKTIONSPROZESSEN

Der Bezirk Murau ist mit vielen Herausforderungen konfrontiert. Wie kann man der demografischen Rückentwicklung entgegenwirken, wie gemeinsames Tun bekräftigen und neue Wege der Aufmerksamkeits- und Überlebensökonomie beschreiten? Traditionen und veränderte Lebensbedingungen treffen aufeinander.

Die REGIONALE12 hat sich zum Ziel gesetzt Muraus Rohstoffe näher zu beleuchten. Per definitionem meint Rohstoff einen natürlich vorkommenden Stoff, der in unverarbeiteter Form einen Tauschwert hat. Kann man durch seine Bearbeitung einen zusätzlichen Nutzen ziehen, startet ein Kreislauf. Die Herausforderung von Regionalentwicklung beginnt bei Ressourcen und ihren Verarbeitungsprozessen. Und so auch die der REGIONALE12.

THEMEN

Drei Themencluster bilden den inhaltlichen Rahmen der REGIONALE12

1_Jugend/Mobilität/Stadt
2_Naturraum/Nachhaltigkeit
3_Zusammenleben/Zusammenarbeiten

In peripheren Regionen ist Mobilität in mehrfachem Sinne zentral, ob durch Pendlertum, die Notwendigkeit von neuen Konzepten für öffentlichen Verkehr, oder durch veränderte Lebensentwürfe. Welche Bedeutung haben historische Handelsrouten, wie der Sölkpass, der heute über ein halbes Jahr gesperrt bleibt, noch? Welche Infrastrukturen sollten ausgebaut werden, wie werden Debatten darüber geführt? Welche Mobilitätskonzepte braucht unsere Natur zum Überleben? Könnte man das Wetter in Murau durch neue Technologien verändern, Bäume mit 1000facher CO2 Umwandlung aufstellen? Oder einfach nur bewahren wie bisher? Wo finden Jugendliche ihren Platz, welche Chancen stehen ihnen zur Verfügung, wenn sie in Murau bleiben, und welche braucht es um ihnen das Dableiben zu ermöglichen? Welche Gesellschaftsmodelle existieren im allgemeineren Sinn, und wo müsste man veränderte Bedingungen aufgreifen.

Der Kulturanthropologe Arjun Appadurai betont, dass es DIE Landschaft (scapes) nicht mehr gibt, sondern dass viele Landschaften in einer pluralen Landschaft zusammenfließen. Diese greifen und fließen stetig ineinander über. Und um Details dieses Flusses zu erfassen ist eines unserer wichtigsten Werkzeuge die Imaginationsarbeit. Eine Landschaft in Bewegung- wie es in der Bewerbung für die REGIONALE12 von den EinreicherInnen der Region beschrieben wurde; eine Gesellschaft in Bewegung, wie es die REGIONALE12 zudem untersuchen möchte. Um das Zusammenleben dieses Lebensraums darstellen und möglicherweise aufbrechen zu können, bedarf es einer vielschichtigen Draufsicht auf den sozialen Raum, den wir anhand von Gemeinschaften und Kooperationsformen eruieren. Ob im kleinstädtischen Raum oder im Naturraum, es werden verschiedene ländliche wie städtische Rohstoffe und ihre Produktionsprozesse bei der REGIONALE12 zum Tragen kommen.

Maren Richter
Künstlerische Leiterin REGIONALE12
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